Die Hochzeitreise nach Rom - Ludwig Fulda - Страница 1 из 70


Er sagte es mit jenem tiefen, befreiten Aufatmen, das
Größerem gelten mußte, als der überstandenen
langen Eisenbahnfahrt. Endlich angelangt an der Hauptstation –
endlich dort, wohin alle Wege seines Lebens gewiesen hatten!
»Also das ist Rom – das wirkliche Rom?« rief die
junge Frau mit lustiger Ungläubigkeit, während der Zug
langsam in die erleuchtete Halle hineinrollte. »Ja, das ist
es!« Seine Stimme zitterte vor Rührung und Erregung; er
versuchte, die ungeheuere Bedeutung dieses Augenblickes ganz in sich
zu erfassen. »Du . . . aber der Bahnhof ist nichts weniger als
pompös.« »Roma – Roma!« schrieen die
Schaffner und rissen die Coupéthüren auf. Obwohl sie nun
schon mehrere Wochen unterwegs waren, bemerkte er doch jetzt zum
erstenmal, wie merkwürdig viel Handgepäck sie mit sich
führte. Es dauerte eine hübsche Weile, bis der Facchino die
bunte Sammlung von Köfferchen, Kisten, Schachteln und
Schächtelchen ausgeladen hatte. 118 »Fehlt auch
nichts?« fragte sie, sorgfältige Musterung haltend. Dann,
als er ihr den Arm geboten hatte und in ernstem Schweigen mit ihr dem
Ausgang zuschritt, ward sie plötzlich inne, daß sie ihr
Riechfläschchen im Coupé hatte liegen lassen. Er rannte
zurück, suchte in sämtlichen Coupés erster Klasse, da
er die Nummer des seinigen sich nicht gemerkt hatte, und kehrte nach
fünf Minuten mit hochrotem Gesicht und fliegendem Atem, das


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