Poetische Erzählungen - Marie de France - Страница 1 из 189


französische Sprache in England zur Herrschaft und
verdrängte mit ihrer graziösen Beweglichkeit den
schwerfälligen Ernst der angelsächsischen Dichtung. Die
ritterlichen Fremdlinge machten sich's bequem auf den Burgen und
Gütern des bei Seite geschobenen englischen Adels, und in den
Hallen, welche bisher den monotonen Vortrag einer stabreimenden
Legende oder einer uralten sturmrauhen Nordlandssage vernommen hatten,
ertönte jetzt der zierliche Reimgesang des höfischen
Trouvere und erheiterte nun die nachsichtigen Zuhörer ein
muthwilliges Fabliau oder ein erstaunliches Abenteuer fahrender
Ritterschaft. Die sächsische Sprache hatte sich aus der Literatur
in das Leben des niederen Volkes zurückgezogen, wo sie sich erst
nach jahrhundertelangem X Widerstand zu einem ebenbürtigen Kampf
mit der Sprache der Eroberer emporzuraffen vermochte. Während
aber der Streit noch auf die tieferen Schichten der Gesellschaft
beschränkt war, entfaltete sich in den höheren die
normannische Sprache in eigenthümlicher Dialektform zu einem
reichen und feinentwickelten Kunstleben und trieb unter dem Schutz des
Hofes, wo Heinrich I. Beauclerc mit seinen Frauen Mathilde und la
bele Alice, wo Stephan, Heinrich II., wo Richard Löwenherz,
der königliche Trubadur, und nach ihm besonders
Heinrich III. den Sängern ehrenvolle Gastlichkeit
gewährten, die schönsten Blüthen vorzugsweise
erzählender Dichtung. Man bezeichnet diese Sprach- und


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