Die Prinzessin von Cleve - Marie-Madeleine La Fayette - Страница 1 из 252


Aus dem Französischen übertragen von Paul Hansmann
  Zuerst veröffentlicht 1678 unter dem Namen
»Segrais«
Erster Teil Pracht und Galanterie sind nie mit mehr Glanz in
Frankreich hervorgetreten als in den letzten Jahren der Herrschaft
Heinrichs II. Dieser König war liebenswürdig, schön und
verliebt. Wiewohl seine Neigung zu Diana von Poitiers, der Herzogin
von Valentinois, schon länger als zehn Jahre bestehen mochte, war
sie nichtsdestoweniger leidenschaftlich, und er bezeugte sie ihr durch
auffallende Beweise. Da er in allen Übungen des
Körpers mit bewundernswerten Erfolgen gekrönt war, machte er
sie zu einer seiner Hauptbeschäftigungen. Jeden Tag gab es Reit-
und Ballspiele, Tanzfeste, Ringstechen oder ähnliche
Belustigungen, überall ließen sich Madame de Valentinois'
Farben und Namenszüge sehen, und sie selber erschien mit der
reich geschmückten Mademoiselle de la Marck, ihrer Enkelin, die
gerade mannbar geworden war. Der Königin Gegenwart
ließ auch die ihrige zu. Diese Fürstin war schön,
wennschon die erste Jugend hinter ihr lag, und liebte Pracht und
Vergnügungen. Der König hatte sie geheiratet, als er noch
Herzog von Orleans war und sein ältester Bruder, der Dauphin,
noch lebte, welcher zu Tournon starb, ein Fürst, den Geburt und
hohe Gaben würdig machten, den Platz seines Vaters, des
Königs Franz' I., auszufüllen. Ihr ehrgeiziges


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