Frühlingsfahrt zum Bodensee - Renate Franken - Страница 1 из 153


Arnstein das Auto. Immer wieder ging sie um diesen Veteranen der
Automobilindustrie herum, einen uralten DKW, der das
Tausendjährige Reich und den Krieg überstanden hatte und auf
seine alten Tage nun auch noch die Freuden des Wirtschaftswunders
genoß, ohne etwa auf seine jüngeren, schnittigen und von
frischem Lack und Chrom blitzenden Kollegen neidisch zu sein. In
seiner gedrungenen Form stand er sogar sehr selbstbewußt
inmitten der vielen neuen Wagen und schien es nicht als peinlich zu
empfinden, daß er auch nicht ein bißchen funkelte und
glänzte. Wahrscheinlich war er sich bewußt, daß
hinter seinem unscheinbaren Äußeren ein treues, tadellos
funktionierendes Herz schlug – ein Motor, der einfach nicht
umzubringen war. Und dieser brave Motor war es auch, der Ulrike
Arnstein alle unschönen Äußerlichkeiten übersehen
ließ. Sie schaute gewissermaßen das Herz an und nicht das
Kleid, und da ihr dieses Herz gefiel, meinte sie schließlich:
»Ich finde, es sieht noch ganz manierlich aus, nicht?«
Der Autohändler lachte. »Ich habe schönere
zu verkaufen. Ich hätte den Wagen nicht mehr in Zahlung genommen,
wenn Sie nicht durchaus einen alten DKW hätten haben wollen. Ein
paar hundert Mark mehr ...« »Ich weiß,
aber vierhundert Mark sind wirklich genug Geld für ein Auto. Mir
gefällt der Wagen«, sie betonte das mir, »und
schließlich kommt es ja auf den Motor an, nicht wahr? Da der in


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