Und wenn sich unsere Wege kreuzen - Renate Franken - Страница 1 из 138


gehe nie mehr von dir fort Renate Franken Behutsam wurde der
große, so kräftig aussehende Mann, der sich mühsam auf
zwei Stöcke stützte, in das Zimmer geführt, in dem ein
Mann überrascht aufsprang und auf den Eintretenden zueilte.
»Mein Gott, Eike, wo kommst du her? Weshalb hast du dich nicht
angemeldet?« Der Hausherr schob den Begleiter des Kranken
zur Seite und führte den Freund sorglich zu einem Sessel.
Aufatmend nahm Dr. von Repkow darin Platz und fuhr sich mit dem
Taschentuch über die Stirn. »Es ergab sich ganz
zufällig, Matthes. Ich bin im Begriff, nach Zürich zu
fahren, und da ich nun einmal durch Stuttgart kam ...«
»Nun, Jedenfalls freue ich mich, daß du bei mir bist. Ich
hoffe doch, du hast es nicht so eilig mit der Weiterfahrt?«
fragte Matthes Schniewind und bestellte bei dem auf sein Klingeln
eingetretenen Mädchen eine Erfrischung. Seit zwei Jahren ging
es nun schon so, seit ein betrunkener Kraftfahrer den Freund beim
Überschreiten der Straße angefahren und so unglücklich
verletzt hatte, daß eine schwere Schädigung des
Rückgrates eingetreten war. Wie hart mochte der Ärmste unter
seinem Siechtum leiden, und war doch – Schniewind rechnete nach
– mindestens sieben Jahre jünger als er. Eike von
Repkow spürte, was in dem Älteren vorgehen mochte.
»Laß gut sein, Matthes – man sollte sich eigentlich
in dieser Verfassung gar nicht mehr bei alten Freunden zeigen. Man


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