Das Ich und das Es - Sigmund Freud - Страница 1 из 67


Bewußtsein und Unbewußtes In diesem einleitenden
Abschnitt ist nichts Neues zu sagen und die Wiederholung von
früher oft Gesagtem nicht zu vermeiden. Die Unterscheidung
des Psychischen in Bewußtes und Unbewußtes ist die
Grundvoraussetzung der Psychoanalyse und gibt ihr allein die
Möglichkeit, die ebenso häufigen als wichtigen
pathologischen Vorgänge im Seelenleben zu verstehen, der
Wissenschaft einzuordnen. Nochmals und anders gesagt: Die
Psychoanalyse kann das Wesen des Psychischen nicht ins
Bewußtsein verlegen, sondern muß das Bewußtsein als
eine Qualität des Psychischen ansehen, die zu anderen
Qualitäten hinzukommen oder wegbleiben mag. Wenn ich mir
vorstellen könnte, daß alle an der Psychologie
Interessierten diese Schrift lesen werden, so wäre ich auch
darauf vorbereitet, daß schon an dieser Stelle ein Teil der
Leser haltmacht und nicht weiter mitgeht, denn hier ist das erste
Schibboleth der Psychoanalyse. Den meisten philosophisch Gebildeten
ist die Idee eines Psychischen, das nicht auch bewußt ist, so
unfaßbar, daß sie ihnen absurd und durch bloße Logik
abweisbar erscheint. Ich glaube, dies kommt nur daher, daß sie
die betreffenden Phänomene der Hypnose und des Traumes, welche
– vom Pathologischen ganz abgesehen – zu solcher
Auffassung zwingen, nie studiert haben. Ihre
Bewußtseinspsychologie ist aber auch unfähig, die Probleme
des Traumes und der Hypnose zu lösen. Bewußt sein ist
zunächst ein rein deskriptiver Terminus, der sich auf die


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