Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten - Sigmund Freud - Страница 1 из 346


Einleitung Wer einmal Anlaß gehabt hat, sich in der
Literatur bei Ästhetikern und Psychologen zu erkundigen, welche
Aufklärung über Wesen und Beziehungen des Witzes gegeben
werden kann, der wird wohl zugestehen müssen, daß die
philosophische Bemühung dem Witz lange nicht in dem Maße
zuteil geworden ist, welches er durch seine Rolle in unserem
Geistesleben verdient. Man kann nur eine geringe Anzahl von Denkern
nennen, die sich eingehender mit den Problemen des Witzes
beschäftigt haben. Allerdings finden sich unter den Bearbeitern
des Witzes die glänzenden Namen des Dichters Jean Paul
(Fr. Richter) und der Philosophen Th. Vischer, Kuno Fischer
und Th. Lipps; aber auch bei diesen Autoren steht das Thema des
Witzes im Hintergrunde, während das Hauptinteresse der
Untersuchung dem umfassenderen und anziehenderen Probleme des
Komischen zugewendet ist. Man gewinnt aus der Literatur
zunächst den Eindruck, als sei es völlig untunlich, den Witz
anders als im Zusammenhange mit dem Komischen zu behandeln. Nach
Th. Lipps (Komik und Humor, 1898)Beiträge zur Ästhetik,
herausgegeben von Theodor Lipps und Richard Maria Werner, VI. –
Ein Buch, dem ich den Mut und die Möglichkeit verdanke, diesen
Versuch zu unternehmen. ist der Witz »die durchaus subjektive
Komik«, d. h. die Komik, »die wir hervorbringen, die
an unserem Tun als solchem haftet, zu der wir uns durchwegs als
darüberstehendes Subjekt, niemals als Objekt, auch nicht als


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