Cécile - Theodor Fontane - Страница 1 из 246


»Letzter Wagen, mein Herr.« Der ältere Herr, ein
starker Fünfziger, an den sich dieser Bescheid gerichtet hatte,
reichte seiner Dame den Arm und ging in langsamem Tempo, wie man eine
Rekonvaleszentin führt, bis an das Ende des Zuges. Richtig,
»Nach Thale« stand hier auf einer ausgehängten Tafel.
Es war einer von den neuen Waggons mit Treppenaufgang, und der mit
besonderer Adrettheit gekleidete Herr: blauer Überrock, helles
Beinkleid und Korallentuchnadel, wandte sich, als er das
Waggontreppchen hinauf war, wieder um, um seiner Dame beim Einsteigen
behülflich zu sein. Die Compartiments waren noch leer, und so
hatte man denn die Wahl, aber freilich auch die Qual, und mehr als
eine Minute verging, ehe die schlanke, schwarzgekleidete Dame sich
schlüssig gemacht und einen ihr zusagenden Platz gefunden hatte.
Von ähnlicher Unruhe war der sie begleitende Herr, dessen Auf-
und Abschreiten jedoch, allem Anscheine nach, mit der Platzfrage
nichts zu schaffen hatte, wenigstens sah er, das Fenster mehrfach
öffnend und schließend, immer wieder den Perron hinunter,
wie wenn er jemand erwarte. Das war denn auch der Fall, und er
beruhigte sich erst, als ein in eine Halblivree gekleideter Diener ihm
die Fahrbillets samt Gepäckschein eingehändigt und sich bei
dem »Herrn Obersten« (ein Wort, das er beständig
wiederholte) wegen seines langen Ausbleibens entschuldigt hatte.
»Schon gut«, sagte der so beharrlich als »Herr


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