Der Stechlin - Theodor Fontane - Страница 1 из 545


Schloß Stechlin Erstes Kapitel Im Norden der Grafschaft
Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem
Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin (und noch darüber
hinaus) eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme,
nur hie und da mit ein paar Dörfern, sonst aber
ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen
besetzte Waldung. Einer der Seen, die diese Seenkette bilden,
heißt »der Stechlin«. Zwischen flachen, nur an einer
einzigen Stelle steil und kaiartig ansteigenden Ufern liegt er da,
rundum von alten Buchen eingefaßt, deren Zweige, von ihrer
eignen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze
berühren. Hie und da wächst ein weniges von Schilf und
Binsen auf, aber kein Kahn zieht seine Furchen, kein Vogel singt, und
nur selten, daß ein Habicht drüber hinfliegt und seinen
Schatten auf die Spiegelfläche wirft. Alles still hier. Und doch,
von Zeit zu Zeit wird es an ebendieser Stelle lebendig. Das ist, wenn
es weit draußen in der Welt, sei's auf Island, sei's auf Java zu
rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen
Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt
sich's auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in
die Tiefe. Das wissen alle, die den Stechlin umwohnen, und wenn sie
davon sprechen, so setzen sie wohl auch hinzu: »Das mit dem
Wasserstrahl, das ist nur das Kleine, das beinah Alltägliche;


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