Ellernklipp - Theodor Fontane - Страница 1 из 156


Kirchenbuch 1 Hilde kommt in des Heidereiters Haus In
einem der nördlichen Harztäler, in Nähe der Stelle, wo
das Emmetal in das flache Vorland ausmündet, lagen in den
sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Dorf und Schloß
Emmerode; jenseits des Dorfes aber, einige hundert Schritte weiter
talaufwärts, wurd' ein einzelnstehendes, hart in die Bergwand
eingebautes Haus sichtbar, das in seiner Front ein paar Steinstufen
und eine Vorlaube von wildem Wein und über der Tür ein
Hirschgeweih zeigte. Hier wohnte Baltzer Bocholt, ein
Westfälinger, der in jungen Jahren in Kur-Trier als Soldat
gedient hatte, späterhin aber nach Emmerode gekommen und um
seiner guten Führung willen erst ein gräflicher Heidereiter
und einige Jahre später, durch Heirat mit des alten Erbschulzen
Aleswant einziger Tochter, ein über seinen Stand hinaus
vermöglicher Mann geworden war. Er hatte nun Haus und Hof und Amt
und Frau, dazu den Respekt in Dorf und Schloß, und ging stolz
und aufrecht einher und freute sich seines Glückes, bis er nach
einer elfjährigen friedfertigen Ehe zum ersten Male den Unbestand
alles Irdischen an sich selbst erfahren mußte. Die Frau starb
ihm plötzlich und ruhte jetzt – seit zwei Monaten erst
– an der Berglehne drüben, die, dreifach abgestuft, auf
ihrer untersten Stufe den von Mauer und Stechpalmen umfaßten
Kirchhof, auf ihrer mittleren die kleine Kapellenkirche zum Heiligen
Geist und auf ihrer höchsten das zacken- und giebelreiche


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