Graf Petöfy - Theodor Fontane - Страница 1 из 257


In einer der Querstraßen, die vom »Graben« her auf
den Josephsplatz und die Augustinerstraße zuführen, stand
das in den Prinz-Eugen-Tagen erbaute Stadthaus der Grafen von
Petöfy mit seinem Doppeldach und seinen zwei vorspringenden
Flügeln. Ein altmodisches Hochparterre, dazwischen ein Hof und
ein etwas vernachlässigtes, den ganzen Bau nach vornhin
abschließendes Eisengitter. Ging man an einem dunklen Tage hart
an diesem Eisengitter vorüber und sah durch seine rostigen
Stäbe hin auf den mit Kies bestreuten Vorhof, so gewann man den
Eindruck, daß hier alles längst tot und ausgestorben sei;
trat man aber umgekehrt auf das Trottoir der andern Straßenseite
hinüber, so bemerkte man an allerlei kleinen Zeichen und nicht
zum wenigsten an einem gedämpften Lichtschimmer, der abends durch
die nicht ganz zugezogenen Gardinen fiel, daß, wenn nicht der
ganze Bau, so doch die zwei vorspringenden Flügel desselben
bewohnt sein mußten. Und so war es auch. Die beiden
letzten Petöfys, Graf Adam und seine Schwester Judith, eine seit
vielen Jahren verwitwete Gräfin von Gundolskirchen, bewohnten den
Palais in getrennter Wirtschaftsführung und benutzten in
Gemeinschaftlichkeit nur die dem Corps de Logis angehörigen
Repräsentationsräume. Die »Gesellschaft«,
die sich in diesen Räumen zu versammeln pflegte, war, je nachdem
der Bruder oder die Schwester »invitiert« hatte, von sehr
verschiedenem Gepräge. Beide Geschwister gefielen sich


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