Quitt - Theodor Fontane - Страница 1 из 342


Frau Menz und ihr Sohn Lehnert – ein schlanker,
hübscher Mensch von siebenundzwanzig, dem man, auch ohne seine
siebenziger Kriegsdenkmünze (neben der übrigens auch noch
ein anderes Ehrenzeichen hing), den altgedienten Soldaten schon auf
weite Entfernung hin angesehen hätte – hatten den
Schluß des Gottesdienstes nicht abgewartet und saßen
bereits draußen auf einem großen Grabstein, zu dessen
Häupten eine senkrecht stehende Marmorplatte mit einer
»Christi Himmelfahrt« in Relief in die dicht dahinter
befindliche Kirchhofsmauer eingelassen war. Der Sohn, der schon
während einer ganzen Weile mit der Kante seiner Stiefelsohlen
allerlei Rinnen in den Sand gezogen hatte, war augenscheinlich
verstimmt und vermied es, die Mutter anzublicken, die ihrerseits
ängstlich vor sich hin sah und darauf wartete, daß der Sohn
reden solle. Dazu kam es aber nicht, und so hörte man denn nichts
als die letzte Liederstrophe, die drinnen eben gesungen wurde. Sonst
war alles still. Der grelle Sonnenschein lag auf den Gräbern, die
Schmetterlinge flogen dazwischen hin und her, und über dem Ganzen
wölbte sich der tiefblaue Himmel und versprach einen heißen
Tag. Endlich nahm die Mutter ihres Sohnes Hand. Er zog sie aber
unwirsch wieder zurück und sagte: »Ach laß, Mutter.
Du meinst es gut. Aber was hab ich davon? Eigentlich bist du doch
schuld an allem, weil du nicht weißt, was du willst, und auch
nie gewußt hast. Auf Paschen und Wildern hast du mich erzogen,


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