Schach von Wuthenow - Theodor Fontane - Страница 1 из 184


Salon der in der Behrenstraße wohnenden Frau von Carayon und
ihrer Tochter Victoire waren an ihrem gewöhnlichen Empfangsabend
einige Freunde versammelt, aber freilich wenige nur, da die
große Hitze des Tages auch die treuesten Anhänger des
Zirkels ins Freie gelockt hatte. Von den Offizieren des Regiments
Gensdarmes, die selten an einem dieser Abende fehlten, war nur einer
erschienen, ein Herr von Alvensleben, und hatte neben der schönen
Frau vom Hause Platz genommen unter gleichzeitigem scherzhaftem
Bedauern darüber, daß gerade der fehle, dem dieser Platz in
Wahrheit gebühre. Beiden gegenüber, an der der Mitte des
Zimmers zugekehrten Tischseite, saßen zwei Herren in Zivil, die,
seit wenig Wochen erst heimisch in diesem Kreise, sich
nichtsdestoweniger bereits eine dominierende Stellung innerhalb
desselben errungen hatten. Am entschiedensten der um einige Jahre
jüngere von beiden, ein ehemaliger Stabskapitän, der, nach
einem abenteuernden Leben in England und den Unionsstaaten in die
Heimat zurückgekehrt, allgemein als das Haupt jener
militärischen Frondeurs angesehen wurde, die damals die
politische Meinung der Hauptstadt machten, beziehungsweise
terrorisierten. Sein Name war von Bülow. Nonchalance gehörte
mit zur Genialität, und so focht er denn, beide Füße
weit vorgestreckt und die linke Hand in der Hosentasche, mit seiner
Rechten in der Luft umher, um durch lebhafte Gestikulationen seinem


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