Der Kanzler Klaus von Bismarck - Walter Flex - Страница 1 из 368


Bismarck Erzählung Meiner Mutter zu
eigen Sieh, liebstes Kind, ein Weib spart gern einmal an einem
Pelz, an einem Schmuck und legt das abgesparte Sümmlein still
beiseit. So häuft sie einen kleinen Reichtum an von ungenoss'nen
Freuden. Dieser Schatz ist ganz ihr eigen. Und dann kommt ein Tag, an
dem sie andern Freude schenken kann aus dem verhohl'nen Hort, den
keiner kennt. So legt ein kluges Weib auch Kraft zurück: Ein
Leid, das er nicht teilen will – laß ihn, leg Kraft
zurück! Ein Streit, den er allein bestehen will – laß
ihn, leg Kraft zurück! Ein Glückt das er allein durchkostet
– laß ihn, leg Kraft zurück! Leg so viel Kraft
zurück, wie er an Leid und Lust und Streit verschwendet! Ein
rechter Mann gibt aus, was Herz und Hirn an Kräften haben. Alles
gibt er aus. Wir speichern stille auf, wenn er vergeudet, und einmal
kommt dann unsre Stunde, Kind, wo wir mit vollen Händen vor ihm
stehen, der sich an Herz und Kraft und Leidenschaft arm glaubt, und
ihm wie Märchenschätze schenken, was wir an guter, stiller
Kraft erspart. I. »O meine
Mark! Vom zähneknisternden Haß aller gegen alle bist du
kläglich zerfleischt!« Das Sterbelied der Mark klang
und klang... Seit dem rätselhaften Tode des großen
Waldemars lag das Land vor den Hunden. Der landfremde Fürst aus
Wittelsbachschem Blute, der das verwaiste Erbe der einheimischen


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