Der Wanderer zwischen beiden Welten - Walter Flex - Страница 1 из 84


von Walter Flex Dem Gedächtnis meines lieben
Freundes
Ernst Wurche
Kriegsfreiwillig im 3. niederschlesischen Inf.-Rgt. 50
Leutnant d. R. im 3. unterelsässischen Inf.-Rgt. 138
Eine stürmische Vorfrühlingsnacht ging durch die
kriegswunden Laubwälder Welsch-Lothringens, wo monatelanger
Eisenhagel jeden Stamm gezeichnet und zerschroten hatte. Ich lag als
Kriegsfreiwilliger wie hundert Nächte zuvor auf der
granatenzerpflügten Waldblöße als Horchposten und sah
mit windheißen Augen in das flackernde Helldunkel der
Sturmnacht, durch die ruhlose Scheinwerfer über deutsche und
französische Schützengräben wanderten. Der Braus des
Nachtsturms schwoll anbrandend über mich hin. Fremde Stimmen
füllten die zuckende Luft. Über Helmspitze und Gewehrlauf
hin sang und pfiff es schneidend, schrill und klagend, und hoch
über den feindlichen Heerhaufen, die sich lauernd im Dunkel
gegenüberlagen, zogen mit messerscharfem Schrei wandernde
Graugänse nach Norden. Die verflackernde Lichtfülle
schweifender Leuchtkugeln hellte wieder und wieder in jähem
Überfall die klumpigen Umrisse kauernder Gestalten auf, die in
Mantel und Zeltbahn gehüllt gleich mir, eine Kette von
Spähern, sich vor unseren Drahtverhauen in Erdmulden und
Kalkgruben schmiegten. Die Postenkette unsres schlesischen Regiments
zog sich vom Bois des Chevaliers hinüber zum Bois de
Vérines, und das wandernde Heer der wilden Gänse strich


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