Wallensteins Antlitz - Walter Flex - Страница 1 из 82


eines Kriegsfreiwilligen erfüllt, in der er – das waren
seine Worte – seine Gedanken über Gotteskindschaft und
Menschenbruderschaft ausspinnen wollte: eine als Ganzes frei erfundene
Handlung, aber in fast allen Teilen wieder ein Mosaik von Erlebnissen.
»Ließe nur der Felddienst mehr Zeit zu dichterischer
Arbeit!« schrieb er im März des vorigen Jahres. »Ich
beklage mich gewiß nicht, und eine Anfrage, ob ich ins Presseamt
eintreten wolle, habe ich kürzlich abgelehnt, weil ich
fühlte, daß ich in die Front gehöre. ... In einem
frischen Anlaufe, den ich gerade genommen hatte, haben mich russische
Angriffsversuche mit Gas und schwerer Artillerievorbereitung erst eben
zu Beginn des Monats wieder aufgehalten. Ein paar ruhige Wochen, und
der ›Wolf Eschenlohr‹ wäre geschrieben!«
Im Sommer war er auf einige Wochen zum Stellvertretenden Generalstab
nach Berlin kommandiert, um eine kriegsgeschichtliche Arbeit zu
liefern. »Das verursacht mir täglich eine mindestens
zehnstündige Akten- und Schreibarbeit. Gleichwohl vergeht
keine Nacht in der ich nicht mit einigen Zeilen wenigstens den im
Kopfe völlig fertigen Plan meiner Kriegsnovelle fortsetze.«
So schrieb er am 3. August. Am 23. sandte er, zu sicherer Verwahrung,
das erste fertige Hauptstück in seiner aufrechten,
charakterfesten Schrift. »Da ich morgen Nacht wieder zu meinem
Regiment fahre, möchte ich vorher die Handschrift in Ihre


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