Das Licht im Elendhause - Wilhelm Fischer - Страница 1 из 79


  Leipzig
Georg Heinrich Meyer
1898.   I. Der Bindermeister Klaus
Herlinger zu Graz an der Mur war ein wohlgemuter Mann; denn das
ehrsame Gewerke, dem er diente, nämlich die Kunst Fässer zu
binden und bauen, blühte unter seinen Händen reichlich und
gab dem Hause und Herde sattsam Gedeihen. Er besaß eine einzige
Tochter, Mechthild geheißen, die galt als schöne und
züchtige Maid bei allen, die sie an Sonntagen zur Kirche wandeln
oder an Wochentagen daheim schaffen sahen an der Seite der scharf
blickenden Mutter. Friede und Eintracht herrschten unter dem Dache des
stattlichen Binderhauses, denn der gutmütigste von allen war
Meister Klaus selber. 108 Gegen Knechte und Mägde konnte er
streng nach Maß und Recht schalten und im Anwesen heischen, was
die Pflicht gebot, doch in der Stube liebte er den trauten Frieden.
Dieser ward jedoch gestört, als er sein Schwesterkind zu sich
nahm, ein Mägdlein, das noch in der zartesten Jugend stand, aber
einen festen Willen zeigte, die andern zu plagen. Es hieß
Diemut und mochte wenig gern Gehorsam lernen gegen Vetter und Muhme,
am wenigsten aber gegen die Base, die schöne Mechthild. Da gab es
Gewölke und Sturm in der trauten Stube und doch auch wieder
Sonnenschein für Meister Klaus, wenn das Mägdlein seine gute
Zeit hatte. Dann konnte es auch lieb sein, denn es war von seiner
Gestalt, und die großen dunklen Augen leuchteten aus dem


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