Frauendienst - Wilhelm Fischer - Страница 1 из 66


Georg Heinrich Meyer
1898.   I. In das Hans des Meisters
Matthie aus Göttweih war ein fremder Ritter eingekehrt. Meister
Matthie übte die löbliche Heilkunst aus und führte mit
Ehren den Namen eines Magisters. Als solcher war er nicht nur in Graz,
wo er hauste, sondern auch in den andern Städten der alten
steirischen Mark rühmlich bekannt. Dieser gute Ruf hatte auch den
fremden Ritter bewogen, sich ihm als Arzte anzuvertrauen. Er war nur
mit Geleite eines Knechtes gekommen und hatte diesen alsbald wieder
verabschiedet. Beider Gewandung erschien einfach, aber die Rosse, die
sie ritten, waren edel, und Sattelzeug und Decke so beschaffen, wie
sie mit Fug ein vornehmes 4 Geschlecht führte. Das Übel,
dessen Heilung er Meister Matthies Kunst anvertraute, war seltsamer
Art. Von fester wohlgebauter Gestalt, wie er sich sonst zeigte, trug
sein Leib nur einen Fehl: er hatte einen ungefügen Mund. Statt
zweier Lippen, wie andere gute Männer, hatte er deren drei,
nämlich die Oberlippe war doppelt. Dieses Versehen, welches die
Natur an ihm verübte, wollte er durch Meister Matthie wieder gut
machen lassen; und der hatte ihm den Monat Mai als einzig heilsam
für die ärztliche That bezeichnet. So war er im Lenzmonde in
die alte Stadt an der Mur gekommen. Draußen lachte der
Sonnenschein auf den Gassen und beglänzte die schmalen
hochgegiebelten Häuser, und er mußte wie ein Gefangener in


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