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Leipzig
Georg Heinrich Meyer
1898.   Als die Franzosen im Jahre 1809 Graz
besetzt hielten, da geschah ein Ereignis, das niemals gänzlich
ruchbar wurde und doch im geheimen von Mund zu Mund ging. Denn der
Befehlshaber der einbrechenden Armee fand es selber für geboten,
daß es nicht verlautbart werde, damit nicht das Ansehen der
siegreichen Soldaten durch das Verbrechen, wie es hier vorlag,
vermindert werde. Es wurde nämlich ein französischer
Offizier, der Maubrun hieß, in einem sonst ehrbaren Hause
ermordet gefunden. Der Thäter war entflohen, und man fahndete im
stillen eifrig nach ihm, um ihn der wohlverdienten strengsten Strafe
zu überliefern. Niemand in der Stadt, so schien es, wußte
um die 4 näheren Umstände, und doch wußte jeder,
daß etwas Unheilvolles geschehen war: nämlich, daß
der Sieger in der besiegten Stadt durch ein unerhörtes Wagnis
tödlich verletzt worden war. Man fürchtete das
ärgste, doch traf, wie gesagt, die Stadt selbst kein Bannspruch
aus dem Munde des Gewalthabers, der am liebsten gar nicht den Glauben
aufkommen lassen wollte an die Möglichkeit eines Unterfangens,
wie das erwähnte war. Um so eindringlicher glimmte die Aufregung
im stillen fort, sowohl in der Bürgerschaft, die die Folgen
befürchtete, als in den Machthabern, die die That ahnden wollten
und des Thäters nicht habhaft wurden. Denn dieser hielt sich so
verborgen, daß alle Nachforschungen vergeblich blieben.


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