Der Strick um den Hals - Émile Gaboriau - Страница 1 из 711


  Titel der französischen Originalausgabe:
›Le corde au cou ‹ Erstes Buch
1 Es war am 22. Juni 1871, etwa gegen ein Uhr nachts, als die
Pariser Vorstadt, die bevölkertste Gegend der guten Stadt
Sauveterre, plötzlich in Bewegung gesetzt wurde durch den
rasenden, auf dem holperigen Pflaster laut widerhallenden Galopp eines
Pferdes. Alsbald sah man eine Menge Bürgersleute an die
Fenster stürzen. Bei der Dunkelheit der Nacht ließ sich
nur undeutlich ein Bauer in Hemdsärmeln erkennen, der eine
weiße Stute, die er ohne Sattel ritt, mit wütenden Hieben
antrieb. Der Bauer wandte sich, nachdem er die Vorstadt durcheilt, in
die Rue nationale, ehemals Rue impériale, ritt über den
Neumarkt, lenkte dann zur Rue Mautrec ein und hielt vor dem
schönen Hause an, das die Ecke der Rue du Château bildet.
Es war dies die Wohnung Herrn Sénéchals, des
Bürgermeisters von Sauveterre, früher Staatsanwalt und
Mitglied des Generalrats. Noch ehe er abgestiegen war, ergriff der
Bauer die Klingel und begann so heftig zu läuten, daß
augenblicklich das ganze Haus in Bewegung kam. Einige Minuten
später öffnete die große, wohlbeleibte Gestalt eines
Bedienten die Türe und rief, die Augen noch voller Schlaf, in
verdrießlichem Ton: »Wer seid Ihr, Mann? Was wollt Ihr?
Wißt Ihr nicht, bei wem Ihr die Klingel zerreißt?«
»Ich will den Herrn Bürgermeister sprechen«,


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