Gedichte - (Franz) Emanuel (August) Geibel - Страница 1 из 393


              Das ist ein
trostlos Silbenstechen,
Mißtrauen hier, Verstimmung dort;
Sie möchten wohl von Sühnung sprechen,
Doch keiner trifft das rechte Wort. So wächst die
Kluft von Tag zu Tage,
Man reizt und höhnt, man trutzt und schmollt,
Ob draußen auch mit dumpfem Schlage
Vernehmlich schon das Wetter grollt. Erhitzt
bekämpfen sich die Reihen
Zur rechten und zur linken Hand,
Und überm Hader der Parteien
Denkt keiner mehr ans Vaterland. Emanuel Geibel
      Die Lilien glühn in
Düften,
Die Blüte spielt am Baum;
Hoch zieht in stillen Lüften
Im bunten Schmuck der Traum. Und wo er blickt, da
neigen
Die Blumen das Haupt überall;
Und wo er zieht, da schweigen
Waldrauschen und Nachtigall. Mir wird das Herz so
stille
In dieser milden Nacht,
Es bricht der eigne Wille,
Die alte Lieb' erwacht. Fast ist's, als käm' ein
Grüßen
Auf mich vom Himmelszelt,
Und Frieden möcht' ich schließen
Mit Gott und aller Welt. Emanuel Geibel Der
Ungenannten.          
Die du den Blick mir zugewandt voll Güte,
Da mich die andern in den höfisch glatten
Prunkvollen Sälen stolz vergessen hatten,
Wie dank' ich deinem freundlichen Gemüte! Du botest


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