Asiatische Novellen - Arthur de Gobineau - Страница 1 из 438


Schön wie ein Engel! Die Gesichtsfarbe leicht gebräunt,
nicht in dem trüben, erdfarbenen Tone, dem sicheren Ergebnis
einer Mischlingsherkunft; er war warmgebräunt wie eine Frucht,
die in der Sonne gereift. Sein schwarzes Haar ringelte sich in
üppigen Locken über die dichten Falten seines blauen,
rotgestreiften Turbans; ein zierlicher, gewellter, ziemlich langer
Schnurrbart umspielte die feinen Umrisse seiner klargeschnittenen,
beweglichen, stolzen Oberlippe, welche das Leben, die Leidenschaft
atmete. In seinem milden, tiefen Auge flammten leicht Blitze auf. Er
war groß, kraftvoll, schlank, breit in den Schultern, schmal in
den Hüften. Niemand war der Gedanke gekommen, seinem Geschlechte
nachzuforschen; es war klar, daß das reinste Afghanenblut sein
Wesen belebte, und daß, wer ihn betrachtete, den echten
Abkömmling jener alten Parther, der Arsakes, der Orodes vor Augen
hatte, unter deren Tritten die römische Welt in gerechtem
Schrecken einst erschauderte. Seine Mutter hatte ihn, ahnend, was er
gelte, bei seiner Geburt Mohsen, »der Schöne«,
genannt, und das mit Fug und Recht. Unglücklicherweise fehlte
ihm, der so ausgezeichnet an äußeren Vorzügen und
nicht weniger vollkommen an Eigenschaften des Geistes war, den die
erlauchteste Ahnenreihe ehrte, nur allzu viel: er war arm. Man hatte
ihn eben ausgerüstet, denn er war seine siebzehn Jahre alt
geworden; das war kein leichtes Ding gewesen. Sein Vater hatte den


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