Zur Geschichte und Charakteristik des deutschen Genius - Bogumil Goltz - Страница 1 из 635


deutschen Genius Eine ethnographische Studie Kritisch
durchgesehene Ausgabe mit Einleitung und Anmerkungen von
Dr. Hans Zimmer.
Einleitung. Ein halbvergessenes Original,
das wieder modern geworden: das ist Bogumil Goltz. Er, der schon bei
Lebzeiten den blendenden, aber dauerlosen Eindruck eines
vorüberjagenden Meteores machte, der schon bei Lebzeiten von
einem ernsten und wohlgesinnten Beurteiler zu den literarisch Toten
geworfen wurde, den bedeutende Literaturkenner in ausführlichen
und durchaus vorsichtig abwägenden Nekrologen als ein
endgültig abgeschlossenes Stück der Vergangenheit
behandelten, der gar im ersten Jahre unseres Jahrhunderts von
einflußreichem Munde recht spöttisch und von oben herab als
kleiner, sehr kleiner Carlyle bezeichnet wurde – er findet
plötzlich Lobredner, die ihn als ganz erstaunlich unveraltet
erklären, er wird neu gedruckt, Auszüge aus seinen
Schöpfungen werden zu einem wertvollen und handlichen Bande
vereinigt, maßgebende Zeitschriften reden für ihn. Woher
kommt das? Doch wohl daher, daß Zeit und Menschen, Treiben und
Denken nachgerade wieder denselben Charakter angenommen haben wie
damals, wo Goltz gegen das Hasten und Jagen des Erwerbslebens, gegen
die einseitige Betonung des Verstandesmäßigen in
Wissenschaft und Kunst, gegen die Vernachlässigung der
Gemüts- und Charakterbildung so keck und kühn zu Felde zog,


-10     пред. Страница 1 из 635 след.     +10