Deutsche Sagen - Brüder Grimm - Страница 1 из 728


wurde sonst ein künstlich und mit viel Zieraten gearbeitetes
Trinkhorn sorgfältig bewahrt, das sich aber gegenwärtig zu
Kopenhagen befindet. Die Sage lautet so: Im Jahr 990 (967)
beherrschte Graf Otto das Land. Weil er als ein guter Jäger
große Lust am Jagen hatte, begab er sich am 20. Juli
gedachten Jahres mit vielen von seinen Edelleuten und Dienern auf die
Jagd und wollte zuvörderst in dem Walde, Bernefeuer genannt, das
Wild heimsuchen. Da nun der Graf selbst ein Reh hetzte und demselben
vom Bernefeuersholze bis an den Osenberg allein nachrannte, verlor er
sein ganzes Jagdgefolge aus Augen und Ohren, stand mit einem
weißen Pferde mitten auf dem Berge und sah sich nach seinen
Winden um, konnte aber auch nicht einmal einen lautenden (bellenden)
Hund zu hören bekommen. Hierauf sprach er bei ihm selber, denn es
eine große Hitze war: Ach Gott, wer nur einen kühlen Trunk
Wassers hätte! Sobald, als der Graf das Wort gesprochen, tat sich
der Osenberg auf und kommt aus der Kluft eine schöne Jungfrau,
wohl gezieret, mit schönen Kleidern angetan, auch schönen,
über die Achsel geteilten Haaren und einem Kränzlein darauf,
und hatte ein köstlich silbern Geschirr, so vergüldt war, in
Gestalt eines Jägerhorns, wohl und gar künstlich gemacht, in
der Hand, das gefüllt war. Dieses Horn reichte sie dem Grafen und
bat, daß er daraus trinken wolle, sich zu erquicken. Als nun
solches vergüldtes silbern Horn der Graf von der Jungfrau auf-


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