Der Marsspion und andere Novellen - Carl Grunert - Страница 1 из 243


»Wenn auch Bücher nicht gut oder schlecht machen, besser
oder schlechter machen sie doch!« (Jean Paul)
Ein Geleitwort Die Kunst, Märchen zu erfinden, Märchen
zu erzählen, ist uns mählich abhanden gekommen. Sie
gehört, in ihrer vollkommenen Reinheit, einer jüngeren
Entwicklungsstufe des menschlichen Geistes an und ist trotz
gelegentlicher Wiederbelebungen in alter Frische nicht zu erwecken. Es
war eine kindliche Kunst, ein naives Sichtummeln auf den bunten Wiesen
der Phantasie. Den Märchenschatz schufen Geschlechter, deren
gesamte geistige Habe fast ausschließlich im Märchenhaften
und der verwandten Gattung, der Sage, bestand. Das allein, neben ein
paar religiösen Formeln und Mythen, ward den Kindern, den Enkeln
vererbt. Kindhaft war dieses Menschenalter. Aber der Geist wuchs,
die Kenntnisse kamen und die Wissenschaft. Und den Erwachsenen der
reifenden Geschlechter, die immer tiefer in den Apfel der Erkenntnis
bissen, schwand langsam der Sinn für das allzu naive Spiel der
Phantasie. Den Kindern aber, den geistig Armen und gerade darum allein
Glückseligen, wurden die Märchen weiter erzählt. Sie
lebten; und kaum merklich änderte der Mund der Erzähler
ihren Inhalt, kaum merklich ihre Form. Spät erst wurden sie in
der klassischen Form ihrer Unvergänglichkeit aufgeschrieben und
gedruckt. Es war der Franzose Charles Perrault, der um die Wende des
siebzehnten Jahrhunderts uraltes Kulturgut für seine Kinder unter


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