Pro comoedia commovente - Christian Fürchtegott Gellert - Страница 1 из 27


rührende Lustspiel
(Pro comoedia commovente) Übersetzt von Gotthold Ephraim
Lessing Man hat zu unsern Zeiten, besonders in Frankreich, eine
Art von Lustspielen versucht, welche nicht allein die Gemüter der
Zuschauer zu ergötzen, sondern auch so zu rühren und so
anzutreiben vermögend wäre, daß sie Ihnen sogar
Tränen auspresse. Man hat dergleichen Komödie, zum Scherz
und zur Verspottung, in der französischen Sprache comédie
larmoyante, das ist die weinerliche, genennt, und von nicht wenigen
pflegt sie als eine abgeschmackte Nachäffung des Trauerspiels
getadelt zu werden. Ich bin zwar nicht willens, alle und jede
Stücke, welche in diese Klasse können gebracht werden, zu
verteidigen; sondern ich will bloß die Art der Einrichtung
selbst retten und womöglich erweisen, daß die Komödie,
mit allem Ruhme, heftiger bewegen könne. Dacier und andre, welche
die von dem Aristoteles entworfene Erklärung weitläuftiger
haben erläutern wollen, setzen die ganze Kraft und Stärke
der Komödie in das Lächerliche. Nun kann man zwar nicht
leugnen, daß nicht der größte Teil derselben darauf
ankomme, obgleich, nach dem Vossius, auch dieses zweifelhaft sein
könnte; allein, so viel ist auch gewiß, daß in dem
Lächerlichen nicht durchaus alle ihre Tugend bestehe. Denn
entweder sind die reizenden Stücke des Terenz keine Komödien
zu nennen, oder die Komödie hat ihre ernsthaften Stellen und
muß sie haben, damit selbst das Lächerliche durch das


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