Fromont junior und Risler senior, Band 1 - Claire von Glümer - Страница 1 из 206


Band Erstes Kapitel. Eine Hochzeit bei
Véfour. »Madame Chèbe!«
»Nun, lieber Freund?« »Ich bin so
glücklich!« Es war wenigstens das zwanzigste Mal an
diesem Tage, daß der wackere Risler versicherte, glücklich
zu sein, und er that es immer mit demselben Ausdruck stiller
Rührung, derselben schleppenden, dumpfen, von innerer Bewegung
erstickten Stimme, die, um der Gefahr eines plötzlichen
Aufschluchzens zu entgehen, nicht laut zu werden wagt. Risler
hätte aber für nichts in der Welt in diesem Augenblicke
weinen mögen. Wie unpassend für einen Bräutigam, sich
inmitten des Hochzeitsmahles der Rührung hinzugeben! – und
doch war er nahe daran. – Sein Glück drohte ihn zu
ersticken, schnürte ihm die Kehle zusammen und machte ihm das
Sprechen unmöglich. Das einzige, was er thun konnte, war, von
Zeit zu Zeit mit bebenden Lippen vor sich hinzumurmeln: »Ich bin
so glücklich . . . so glücklich!« Er
hatte wirklich alle Ursache dazu! Seit diesem Morgen fühlte
sich der gute Mann wie von einem jener herrlichen Träume
umfangen, aus denen man plötzlich mit geblendeten Augen zu
erwachen fürchtet; der seinige schien jedoch kein Ende haben zu
sollen, denn früh um fünf Uhr hatte er begonnen, und jetzt,
um zehn Uhr abends – Punkt zehn, nach Véfours
großer Uhr – dauerte er noch immer fort. Wie viel
hatte Risler an diesem Tage erlebt, und wie deutlich standen ihm die


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