Glück in der Ehe - Claire von Glümer - Страница 1 из 139


Herbst gestorben war, und lebten – Katja, Sonja und ich –
den ganzen Winter zurückgezogen auf dem Lande. Katja war
eine alte Freundin unseres Hauses, unsere Gouvernante, die uns
großgezogen hatte und die ich kannte und liebte, solange ich
zurückzudenken vermag. Sonja war meine jüngere Schwester.
Der Winter, den wir in Pokrowskoje, unserem alten Gutshause
zubrachten, war düster und traurig. Es war kalt, der Wind fegte
den Schnee in dichten Haufen hoch an den Fenstern hinauf; die Scheiben
blieben gewöhnlich dicht zugefroren, und wir gingen und fuhren
fast nirgends hin. Besuche kamen selten, und die wenigen, die sich
einfanden, brachten weder Heiterkeit noch Unterhaltung in unser Haus.
Alle hatten traurige Gesichter, alle sprachen so leise, als ob sie
jemand zu wecken fürchteten, sie lachten nie, seufzten und
weinten oft, wenn sie mich und besonders die kleine Sonja in ihrem
schwarzen Kleidchen ansahen. Es war, als ob noch immer der Tod im
Hause zu spüren sei, als ob seine Schrecknisse noch immer
die Luft erfüllten. Das Zimmer der Mutter war geschlossen, aber
sooft ich daran vorüberging, um mich schlafen zu legen, war mir
zumute, als ob mich etwas in das öde, kalte Gemach
hineinzöge. Ich war damals siebzehn Jahre alt, und die
Mutter wollte gerade in dem Jahre, in dem sie starb, in die Stadt
übersiedeln, um mich in die Gesellschaft einzuführen. Der
Verlust der Mutter war ein großes Unglück für mich,


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