Juliette Faustin - Edmond de Goncourt - Страница 1 из 16


nachmittags. Juliette Faustin,, die am Abend die Phädra in
Racines Tragödie zum zweiten Male spielen sollte, trat in ihr
Badezimmer. Dieser Raum – das »porzellanene
Zimmer« nannte ihn ihre alte Haushälterin, Frau
Guénégaud – war der einzige in Juliettes elegantem
kleinem Hause, dessen Ausgestaltung sie nicht dem Architekten
überlassen hatte; zu ihrem Vergnügen hatte sie ihn nach
eigenem Geschmack ausgestattet und mit einem so verschwenderischen
Aufwand an Geld, wie es ihr bei der übrigen Einrichtung nicht in
den Sinn gekommen war. Sie, die Frau, die eine Stunde jedes Tages im
Wasser zubrachte, pflegte zu sagen, in dem müßigen
Nichtstun des Bades verlange das Auge, durch Schönes an den
Wänden unterhalten zu werden. Und sie hatte von Bracquemond, dem
phantasievollen Raumkünstler, vierundzwanzig große
Fayenceplatten herstellen lassen, um damit das Bad an allen vier
Seiten völlig in eine Täfelung aus Porzellan
einzuschließen. Von Künstlerhand auf die spiegelglatten
Flächen gezaubert, sah man die hochbeinigen Vögel, die
über Strömen und Flüssen dahinstreichen, über den
Seen inmitten lanzenspitzen Röhrichts an sumpfigen Ufern; und die
Flüge dieser Vögel mit dem glasklar farbigen Gefieder
schossen wie Blitze durch ein Grün von lichtem Schmelz, das sich
heiter von dem weißen schillernden Untergrund abhob. Den
Fußboden des Zimmers hatte der Künstler, einen anmutigen
Einfall erprobend, unter dem lustigen Blütengestreu verschwinden


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