Tagebuch der Brüder Goncourt - Edmond de Goncourt - Страница 1 из 267


Tagebücher der Brüder Goncourt las und liebte, dachte dabei
gewiss am allerwenigsten an die ein wenig wohlfeile, aber recht
schmerzliche Aktualität, die sie nunmehr gewonnen haben, weil
jene Eintragungen, die aus den Jahren 1869 bis 1871 stammen, auch
vieles politisch Interessante und uns Heutige besonders Angehende
enthalten. Die Brüder Goncourt – sie waren für uns vor
allem die Vertreter des » dixhuitième«, des
18. Jahrhunderts – unter Anführungszeichen! – das man
am Ende des 19. erst wieder entdeckte, des 18. Jahrhunderts mit den
frech sensuellen Marquisen, den hübsch lasterhaften Modellen
Watteaus und Fragonards, den ein wenig geistreich überspitzten
Schäferinnen und Schäfern, der Luft vor der Sintflut; aber
auch die Entdecker Japans und Chinas, nicht des weltpolitischen, wohl
aber des künstlerischen Ostasiens. Ausserdem waren die Goncourt
die Wortführer des literarischen Naturalismus; wenn auch in
einigem Abstande von Zola darf man sie so nennen. Ihre Romane,
»Die Tochter Elisa«, »Germinie Lacerteux«
gehören zu den bedeutsamsten Werken, die die moderne Literatur
eingeleitet haben, Ueberdies unterhielt dieses Brüderpaar so
viele und vielfältige menschliche Beziehungen von
höchster Ergiebigkeit, dass ihre persönlichen Erlebnisse
ebenso Literatur werden konnten, wie ihre Literatur Erlebnis war.
Dabei waren die beiden wahrhaftig keine Journalisten auf der Jagd nach
Stoff und verwertbarem Manuskript, sondern richtige


-10     пред. Страница 1 из 267 след.     +10