Corsica - Ferdinand Gregorovius - Страница 1 из 787


Nachrichten über Corsica finden sich bei den Geschichtschreibern
und Geographen der Griechen und der Römer. Sie lassen uns nicht
bestimmt erkennen, welche Volkstämme ursprünglich die Insel
bevölkert haben, ob es Phönizier, Etrusker, Hispanier oder
Ligurier waren. Alle diese alten Völker sind auf Corsica gewesen,
ehe noch Carthager, phokäische Griechen und Römer dahin
übersiedelten. Die Lage der Inseln Corsica und Sardinien
machte sie in dem großen westlichen Busen des Mittelmeers zum
Kreuzungspunkt aller umwohnenden Völker, welche Handel trieben
und Pflanzstädte anlegten. Nordwärts liegt, eine Tagereise
weit, Gallien, westwärts, drei Tagereisen weit, Spanien,
ostwärts ganz nahe die Küste Etruriens, südwärts
endlich, wenig Tagereisen entfernt der Küstensaum Afrika's. Die
Festlandvölker stießen also auf diesen Inseln zusammen und
drückten ihnen ihr Gepräge auf. Diese Mannichfaltigkeit der
von ihnen hinterlassenen Spuren in Bauten, Bildwerken, Münzen,
Sprachen und Sitten, welche wie Erdschichtungen die ethnographische
Gestaltung der Insel bestimmen, machen besonders Sardinien zu einem
der merkwürdigsten Länder Europa's. Beide Inseln liegen auf
der Grenzlinie, welche jenes Westbecken des Mittelmeers in eine
spanische und eine italienische Hälfte trennt. Nachdem nun die
Einflüsse orientalischer und griechischer Einwanderungen
politisch hinweggetilgt waren, übten jene beiden Festländer
ihre Bestimmungskraft auf die Inseln aus. In Sardinien überwog


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