Novellen und Erzählungen - Franz Freiherr von Gaudy - Страница 1 из 278


Vom Winde gepeitscht stob der Schnee in dichten Flocken durch die
verödeten, abenddunkeln Straßen von Bern, gleich als wolle
er die Wenigen, welche in Mantel und Pelze vermummt die Stadt hastig
durcheilten, recht gründlich belehren, daß man an einem
Weihnachts-Feierabend nichts Besseres zu thun habe, als hinter dem
prächtig warmen Ofen zu sitzen und es sich im Kreise der Seinigen
wohl sein zu lassen. Herr Siegmund Wagner, der reiche
Handelsherr und Mitglied des großen Rates, schien seit Stunden
bereits der stürmischen Mahnung Folge geleistet zu haben, und
saß jetzt im bequemen Lehnstuhl vor dem mit Kupferstichen,
Stiften und anderem Zeichengerät belasteten Tische, warf bei dem
hellen Scheine der Lampe einige rasche Konturen auf das feine
glänzige Papier, legte wohl noch einen flüchtigen Schatten
an, und senkte dann wiederum den Bleistift, um mit dem
eigentümlichen Wohlbehagen, welches uns in einem freundlichen,
wohlerwärmten Gemach bei recht grimmiger Kälte beschleicht,
dem die Gassen durchsausenden Sturm, dem Klappern der Schiefern auf
den Dächern, dem Knarren der Wetterfahnen, oder auch dem
Wechselgespräch, welches aus dem nebenanliegenden Zimmer durch
die geöffnete Thür zu seinen Ohren drang, zu lauschen. In
jenem angrenzenden Gemach war es, wo Herr Wagner alle die
Kunstschätze und Seltenheiten, deren Sammlung zu vermehren er
nicht ermüdete, vereinigt hatte. Dort ruhten auf zierlichen, aus


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