Weitere Novellen und Erzählungen - Franz Freiherr von Gaudy - Страница 1 из 406


Chaussee fort. Da, wo der Weg ein Knie bildet, hielt ich noch einmal
an, stieg auf einen Haufen kleingeschlagener Steine, und warf durch
die Pappeln der Heerstraße einen halb ingrimmigen, halb
wehmütigen Scheideblick auf die Rabenmutter, welche soeben den
hoffnungsvollsten ihrer Söhne von sich und hinaus in die weite
kalte Welt gestoßen hatte. Besagte Mutter aber war die
alma mater, die Sächsische Fürsten- und Landesschule Pforta,
und der aus ihrem Schoß vertriebene, unbarmherzig enterbte,
– niemand anders als ich, der per consilium abeundi mit
allen ziemlichen Feierlichkeiten entlassene Exalummus Friedrich
Gotthelf Fistel, gebürtig aus Freiburg an der Unstrut, vor einer
Stunde noch Obergesell und alter Primaner, jetzt aber Kandidat des
Vagabundierens und der Landstreicherei. Da lag am Fuß des
mit herbstlich falben Buchen bedeckten Knabenberges jener
mönchische Bienenkorb, in welchem ich, umsummt von hunderten der
Kommilitonen, den Honig der Weisheit schier fünf Jahr zur Zelle
getragen, bis mich das grausame Fatum ereilte und ich zur
unnützen Drohne gestempelt und laut rescriptum principis
ausgeschwefelt worden war. Über die roten Dächer der Schul-
und Wirtschaftsgebäude ragte der spitzige schwarze Schiefer-
Kirchturm hervor, gleich dem schwarzumkleideten Arm des riesigen
Rektors, welcher dem Exulierten noch aus der Entfernung dräute
– ich aber lachte voller Bosheit, rief: relinquere portam


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