Aesthetische Studien. - Sprachliche Studien. - Aphorismen. - Franz Grillparzer - Страница 1 из 333


Studien. – Aphorismen. Aesthetische Studien.
1. Allgemeines. Zur Kunstlehre. Grundsatz.
(1819.) Ich nehme mir bei diesen Anmerkungen vor, ohne
Rücksicht auf ein System, über jeden Gegenstand dasjenige
niederzuschreiben, was mir aus seinem eigenen Wesen zu fließen
scheint. Die dadurch entstehenden Widersprüche werden sich am
Ende entweder von selbst heben, oder, indem sie nicht wegzuschaffen
sind, mir die Unmöglichkeit eines Systems beweisen. Als die
Natur lebende, selbstthätige Wesen erschuf, die vom
mütterlichen Boden getrennt, und daher von der absolut zwingenden
Naturnotwendigkeit emanzipiert fortleben und bestehen sollten,
sicherte sie die Fortdauer ihres Werkes auf die
zweckmäßigste Art dadurch, daß sie jeder auf diese
Art freigegebenen Kraft, nebst dem Vermögen zu wirken, auch noch
ein Streben nach Wirksamkeit und einen unwillkürlichen Drang nach
allem gab, was diese Wirksamkeit erhalten und vermehren kann.
Diese Einrichtung, die man im allgemeinen mit dem Namen Trieb
bezeichnet, äußert sich schon bei den Tieren auf eine
höchst merkwürdige Art, Unter dem Namen des Instinkts bringt
er, besonders in einzelnen Fällen und bei einzelnen Gattungen
Wirkungen hervor, die durch ihre Vernunftähnlichkeit in Erstaunen
setzen. Immer aber sichert er die Erhaltung und Fortpflanzung auf die
unfehlbarste Weise. Auch dem Menschen fehlen diese Triebe nicht.


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