Erinnerungen an Beethoven - Franz Grillparzer - Страница 1 из 18


Ich lese einen Aufsatz von Herrn L. Rellstab: »Beethoven«
überschrieben,Der Aufsatz, der vermutlich zuerst in einer
musikalischen Zeitschrift erschienen ist, steht sowohl in Rellstabs
gesammelten Schriften (5. Auflage, 24. Band, S, 62) als auch in dessen
Selbstbiographie (Aus meinem Leben, Berlin 1861, II, S. 224). und
finde darin meines Verhältnisses zudem genannten großen
Meister, namentlich aber des Operntextes, den ich für ihn
geschrieben, in einer Art erwähnt, die nicht ganz richtig ist.
Diese Anschuldigung gilt nicht Herrn Rellstab, der ohne Zweifel alles,
was ihm Beethoven sagte, bis auf die Worte getreu niederschrieb. Die
Ursache dürfte vielmehr in dem traurigen Zustande des Meisters
während seiner letzten Jahre liegen, der ihn wirklich Geschehenes
und bloß Gedachtes nicht immer deutlich unterscheiden
ließ. Was einen großen Mann betrifft, ist immer
interessant, ich will daher unser Zusammentreffen und was daraus
erfolgte, nach Möglichkeit treu erzählen. Oder vielmehr es
macht mir Vergnügen, meine Erinnerungen an ihn bei dieser
Gelegenheit wieder vor die Seele zu führen und sie hier
aufzuzeichnen. Das erste Mal, daß ich Beethoven sah, war in
meinen Knabenjahren – es mochte in den Jahren 1804 oder 5
gewesen sein – und zwar bei einer musikalischen
Abendunterhaltung im Hause meines Onkels, Joseph Sonnleithner,
damaligen Gesellschafters einer Kunst- und Musikalienhandlung in Wien.


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