Das alte Haus - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 278


stand noch vor gar nicht so langen Jahren ein steinernes, uraltes
Gebäude aus früherer Zeit – wie Viele sogar
behaupteten, das älteste Gebäude der Stadt – mit
wunderlich geschnitzten Giebeln und Gewänden, künstlich
gespannten Fenster- und Thürbogen und großen eisernen
drachen- und lindwurmköpfigen Dachrinnen, die der Zeit, wie allen
die Straßen auf- oder abwehenden Stürmen die langen,
grimmig ausgeschnittenen Zähne gezeigt hatten, und bei heftigen
Regengüssen, zum Aerger der Vorübergehenden, ganze
Ströme Wassers in die Mitte der Straße sprudelten. Ueber
der Thür waren zwei sonderbare Gestalten in Stein ausgehauen, die
einen Türken und einen Christen vorstellten, und auch zwischen
den Fenstern hatte der Baumeister, dessen Urenkel mit zu den Ahnen der
jetzigen Generation gehörten, manche behelmte und bewehrte
Gestalt angebracht. Nirgends aber fand sich ein Heiligenbild, nirgends
ein Engelsköpfchen, das sonst mit seinen dicken Bäckchen
trostbringend aus manchen Verzierungen anderer, fast eben so alter
Gebäude herausbläst. Kein frommer Märtyrer mit
zerrissenen Gliedern und rundem Heiligenscheine war in der ganzen
Masse von Schnitzwerk zu finden; kein frommes Sprüchlein, kein
Vers, kein Kreuz angebracht, selbst nicht aus dem Schilde des Ritters
über der Thür. Wie die Dachrinnen Unthiere
darstellten, die nur hinten an den Schwänzen von irgend einer
wohlthätigen Macht zurückgehalten und verhindert wurden,


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