Das gespenstige Steinwerfen - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 15


  Die Gartenlaube, 1871, No 24    
Es ist eine merkwürdige Thatsache, daß die meisten
Menschen, selbst die Gebildetsten der verschiedenen Nationen nicht
ausgenommen, abergläubisch sind – das heißt,
daß sie irgend einen kleinen oder größeren Winkel in
ihren Herzen haben, in dem der sonst so starre und unbeugsame Verstand
Nichts zu suchen hat. Ob sie nun an Ahnungen oder Sympathien, an
Ohrenklingen oder »Berufen« glauben, ob sie nicht zu
dreizehn an einem Tisch sitzen wollen, oder sich scheuen Nachts einen
Gottesacker oder eine Kirche allein zu betreten – es liegt eben
etwas in ihrem Nervensystem, das mit dem Materiellen in keinem
Zusammenhang steht, und die Einwirkung einer für sie
geheimnißvollen Welt nicht ausschließt. Was ist der
Traum? – wir wissen es nicht, so viele Gelehrte auch schon
versucht haben eine Erklärung desselben zu geben. Was ist
Somnambulismus, was Magnetismus, was sind selbst jene Ahnungen, die im
Volke leben und unleugbar ihre Berechtigung haben? Wer von uns Allen
weiß da nicht merkwürdige Beispiele aus seinem eigenen
Leben? Sonderbarer Weise existiren außerdem Erscheinungen,
die sich allerdings meist natürlich erklären lassen, aber
das Merkwürdige trotzdem haben, daß sie unter den
verschiedensten Völkern und zwar in ganz gleicher Form
auftauchen. Nehmen wir z. B. das Steinwerfen, dem mein
heutiger Aufsatz gilt, wo auf geheimnißvolle und


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