Der erkaufte Henker - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 34


verkündete im fernen Osten ein blasser Streifen am bewölkten
Firmamente den nahenden Tag, als ein einzelner Reiter auf
schäumendem Rosse an der Gartenthür des Ferry-Hotels im
Pointe-Coupé in Louisiana hielt und mit donnerndem Klopfen und
lautem Ruf die schläfrigen Bewohner zu wecken versuchte. –
Endlich öffnete sich die grüne, auf die Gallerie
führende Thür des Hauses und der Wirt steckte den Kopf
heraus. »Wer lärmt denn da vorn, als ob es heller
Mittag wäre?« rief er; »glaubt Ihr, daß Leute,
die um zwei Uhr zu Bett gehen, auch um vier Uhr gewöhnlich wieder
aufstehen?« »Seid Ihr es, Röttken?« frug
der Reiter, indem er sich aus dem Sattel schwang und den Zügel
seines schnaubenden Thieres an einen durch die Latten ragenden kleinen
Zweig befestigte. »Macht auf, schnell – ich habe Eile und
muß gleich wieder fort.« »Wer zum Henker seid
Ihr denn überhaupt?« frug Röttken wieder, ohne die
Thür weiter aufzumachen, denn der Wind zog kalt und unfreundlich
aus Nordwesten hernieder; »glaubt Ihr, ich kenne die ganze
Ansiedelung an der Stimme?« »Nun,« lachte er
draußen, »Ihr seid der Sache diesmal ziemlich nahe
gekommen; zum Henker gehöre ich auch mit, und überhaupt geht
den Henker mein Besuch heute Morgen besonders an, denn seinetwegen kam
ich her – ich bin der Constabler.« »Oh, Bedford,
Ihr seid's!« rief der Deutsche – »nun wartet, ich
mache den Augenblick auf, will mir nur erst etwas


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