Die Blauen und Gelben - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 772


venezuelanisches Lebensbild Der
Morgen eines Finanzministers. Im Hause der Firma Gonzales &
Co. in Caracas und in dem luftigen und hohen Lagerraum des
Geschäfts, der viel kühler war als das Kontor, saß der
Chef des Hauses, der alte Gonzales, hinter einem Pult mit seinen
Büchern beschäftigt, während ab und zu gehende
Cargadores eine Reihe von Karren abluden, welche Waren von La Guayra,
der Hafenstadt, heraufgebracht, und nun gleich wieder aus dem Innern
gekommenen Kaffee aufladen und zur Verschiffung an die Seeküste
führen sollten. Der alte Herr achtete aber gar nicht
darauf, denn zwei seiner jungen Leute waren mit dem Empfang des einen
Teils der Güter wie mit der Auslieferung des anderen betraut, und
er hatte sich auch in der Tat so in ein vor ihm aufgeschlagenes Konto
vertieft, daß er nicht einmal die Gegenwart eines fremden Herrn
bemerkte, der mit dem Hut auf dem Kopf zwischen den Lastträgern
eingetreten und an seinem Pult stehen geblieben war. Erst, als sich
dieser räusperte und mit einem Buenos dias, Señor, die
Hand auf sein Pult legte, sah er, über seine Brille hinweg, nach
dem Besuch hinüber und erkannte – gar nicht etwa zu seinem
Erstaunen, aber noch viel weniger zu seiner Freude – keine
geringere Person als den Finanzminister der Vereinigten Staaten von
Venezuela, der ihm vergnügt zunickte und besonders guter Laune zu
sein schien. »Nun, Sennor Gonzales, wie geht's?« sagte


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