Die Sklavin - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 50


Postboot war eben von New-Orleans angelangt und über die von
demselben an's Ufer geschobene Planke strömten in
ununterbrochenem Zuge fast alle Geschäftsleute und
Müßiggänger der kleinen Stadt Bayou Sarah an Bord, um
theils für sie angekommene Briefe und Packete in Empfang zu
nehmen, theils ihre Neugierde zu befriedigen und an dem zierlich
ausgeschmückten Schenkstande ein Glas Brandy und Eiswasser zu
schlürfen. Der Capitain des Postboots, ein kleiner Franzose
mit grauem Rock, schwarzem Filzhut und außerordentlich blank
gewichsten Stiefeln, schien überall zu sein, und während ihm
große Schweißtropfen an der gerötheten Stirn
glänzten, schimpfte er in fürchterlich gebrochenem Englisch
auf Gott und die Welt, vorzüglich aber auf den Postmeister, der
ihm aus seinem Comptoir, eben als er kaum den Rücken gewandt, ein
Packet Briefe in zu großem Amtseifer entführt und mit
hinauf auf die Post genommen hatte. »God dam him!«
wetterte der kleine Mann, mit der Faust auf das grünbeschlagene
Pult niederschlagend, daß die Tinte hoch empor spritzte –
»was hat der Pflasterschmierer (der Postmeister hatte zu
gleicher Zeit eine Apotheke und einen Kramladen und ließ sich
gern »Doctor« nennen) in meinem Comptoir zu suchen?
Schleppt Briefe hinauf, eh? Denkt nachher Wunder, was er gethan hat;
aber wart' – Du kommst mir wieder.« »Capitain!
Briefe für mich angekommen?« fragte ein junger schlanker


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