Germelshausen - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 41


Jahres 184– wanderte ein junger, lebensfrischer Bursch, den
Tornister auf dem Rücken, den Stab in der Hand, langsam und
behaglich den breiten Fahrweg entlang, der von Marisfeld hinauf nach
Wichtelhausen führt. Es war kein Handwerksbursch, der Arbeit
suchend von Ort zu Ort ging; das sah man ihm auf den ersten Blick an,
hätte ihn nicht schon die kleine, sauber gefertigte Ledermappe
verraten, die er auf den Tornister geschnallt trug. Den Künstler
konnte er überhaupt nicht verleugnen. Der keck auf einer Seite
sitzende, schwarze, breiträndige Hut, das lange, blonde, gelockte
Haar, der weiche, noch ganz junge, aber ganz Bart – alles sprach
dafür, selbst der etwas abgetragene schwarze Sammetrock, der ihm
jedoch bei dem warmen Morgen ein wenig zu heiß werden mochte. Er
hatte ihn aufgeknöpft, und das weiße Hemd darunter –
denn er trug keine Weste – wurde um den Hals von einem
schwarzseidenen Tuche nur locker zusammengehalten. Als er ein
Viertelstündchen von Marisfeld sein mochte, läutete es dort
zur Kirche, und er blieb stehen, stützte sich auf seinen Stecken
und lauschte aufmerksam den vollen Glockentönen, die gar
wundersam zu ihm herüberschallten. Das Läuten war lange
vorüber, und noch immer stand er dort und blickte
träumerisch hinaus auf die Bergeshänge. Sein Geist war
daheim bei den Seinen, in dem kleinen, freundlichen Dorfe am
Taunusgebirge, bei seiner Mutter, bei seinen Schwestern, und es schien


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