Herr Schultze - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 29


Die Zeit der Wunder ist vorüber und die Welt glaubt nicht mehr an
das Überirdische, denn sie will alles in nüchterner,
hausbackener Wirklichkeit haben, um es so recht aus Herzensgrund
begreifen, das heißt betasten zu können. Kommt dann
wirklich einmal etwas Geisterhaftes, zeigt sich einmal in stiller
Mitternachtsstunde dem einzelnen, dem Auserwählten, ein
anständiges, ordentliches Gespenst, so könnte dieser
später bei allen Heiligen, und noch überdies Stein und Bein
schwören, es glaubte ihm niemand ein Wort davon. Entweder
hieße es: "Der gute Mann habe mit wachenden Augen
geträumt", oder die lieblose Bruder- und Schwesterschar urteilte
vielleicht noch strenger und sagte am Ende gar: "Er ist ein Narr,
daß er denken kann, vernünftige Leute sollten sich so etwas
weismachen lassen!" Was um des Himmels willen ist nun mit einer
solchen Welt anzufangen? – Gar nichts. In solch ähnlicher
Verlegenheit befand sich vor noch nicht so langer Zeit der liebe Gott
selbst. Auf der Erde, und besonders in den deutschen Bundesstaaten,
sah's in jeder Hinsicht windig und bös aus. Mit der Politik der
Kammern waren allerdings die Kammer herren und Kammer diener, sonst
aber auch niemand zufrieden; die Religion drohte gleichfalls wieder
eben aus Religion ganz irreligiös zu werden, denn selbst die
Laien fühlten sich nicht mehr sicher, als ganz gewöhnliche
Menschen schlafen zu gehen und als Apostel wieder aufzustehen –


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