Reisen, Band 1: Südamerika - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 415


18. März 1849. Es ist ein wunderliches, eigentümliches
Gefühl, an Bord eines Fahrzeuges, vor Beginn einer langen
Seereise, noch im alten Vaterland fest vor Anker zu liegen, und
diesem, während man die Reise selber noch gar nicht begonnen, den
heimischen Boden noch nicht verlassen hat, doch auch eigentlich schon
nicht mehr anzugehören – es ist ein wunderliches aber auch
recht fatales Gefühl und hält unsere Nerven in einer
Abspannung, die uns zuletzt ordentlich den Zeitpunkt ersehnen
läßt, vor dem es Manchem im Anfang wohl heimlich gebangt
hatte – den Abschied von seiner Muttererde. Auf die
Passagiere eines Auswandererschiffes macht das übrigens den
verschiedenartigsten, wenn auch im Endresultat sich ziemlich gleich
bleibenden Eindruck. Unthätig und mit langweiligen verdrossenen
Gesichtern treiben sich die Meisten von ihnen bald an dem, kaum
fünfzig Schritt entfernten Land (wir liegen dicht vor
Groß's Hotel in Brake) – bald an Bord umher, und so
ungemüthlich, so unbehaglich Alles am Ufer ist, ebenso jeder
Bequemlichkeit und Ruhe förmlich trotzend, ist es an Bord.
Fortwährend treffen noch neue Passagiere mit einer Masse von
Gepäck ein, als ob jeder Einzelne erwarte, die Arche Noäh zu
eigener Disposition gestellt zu bekommen. – Alle Luken sind
geöffnet, Kisten, Koffer, Bettsäcke, Körbe, Schachteln
etc. stehen überall in Menge; kein Mensch findet was ihm selber
gehört, Namen werden verwechselt und Koffer und Kasten waren es


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