Señor Aguila - Friedrich Gerstäcker - Страница 1 из 574


friedlich schlummerst du da draußen im weiten Ozean, gegen
dessen bäumende Wogen dich der Korallengürtel deiner Riffe
schützt! Ein kleines Paradies ein jedes Eiland, von einem
sonnigen Himmel überspannt, ein sorglos heiteres, zufriedenes
Völkchen bergend. Dort lebte ein Menschenstamm, der wirklich
glücklich war, der alles hatte, was er zum Leben brauchte –
nicht mehr, nicht weniger, und doch auch gerade wieder wenig genug, um
nicht die Habgier anderer Menschen zu reizen. Kokospalmen und
Brotfruchtbäume deckten sein fruchtbares Land; das stille
Binnenwasser zwischen den Riffen barg Fische im Überfluß,
die wenigen Kleidungsstücke lieferte die zähe Rinde seiner
Bäume, den Schmuck für seine jungen Mädchen der
nächste Blütenbusch – und Sorgen? Sie hatten das Wort
nicht einmal in ihrer Sprache, sie kannten die Bedeutung nicht, und
wenn die Sonne abends ins Meer versank, sammelte sich das
fröhliche, blumengeschmückte Volk zum Tanz – und
träumte nachher dem anderen Tag entgegen. Glückliches
Volk! Glücklich, weil es ungekannt, unbeachtet und nur sich
selber überlassen dort draußen auf seinen Palmeninseln
hauste! Dann kamen die Schiffe der weißen Männer, dann kam
die christliche Religion, dann kamen Kisten mit Tand, mit Glaskorallen
und Spiegeln, die ihre Habgier weckten – dann kam fremdes,
nichtsnutziges Gesindel, das sich zwischen ihnen niederließ, und
wo war das Glück – wo der Friede geblieben? Aber das


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