19 Erzählungen - Friedrich Glauser - Страница 1 из 310


Abzweigung, die nach Waiblikon führte, war die Strasse noch
asphaltiert, und Wachtmeister Studer fluchte nicht allzusehr, obwohl
es vom Himmel schüttete und ein durchaus unangenehmer Herbstwind
pfiff. Ausser dem Wetter störte den Wachtmeister einzig die
»Rösti«, die seine Frau ihm am Morgen vorgesetzt
hatte. Denn auf die »Rösti« am Morgen hielt er, der
Wachtmeister Studer. Sein Vater, der im Emmental Bauer gewesen war,
hatte sie am Morgen gegessen, sein Grossvater auch; warum sollte er
eine Ausnahme machen? Aber dass man alt wurde, war eben eine Tatsache,
die Verdauung funktionierte nicht mehr wie früher, man bekam
Sodbrennen von der »Rösti«. Studer schob dies auf das
schlechte Fett, das seine Frau wohl der Sparsamkeit wegen gebraucht
hatte. Irgend so ein modernes Geschlarpf war wohl das Fett. Er trappte
mit den dicken Sohlen durch die Pfützen, zog den Gummimantel
enger an den Bauch. Nicht einmal rauchen konnte man bei diesem Wetter.
Da war die Abzweigung, sie war gerade breit genug, dass ein
Güllenwagen durchfahren konnte, rechts ging es steil bergab in
ein Bachbett, links stieg ein triefender Wald in die Höhe. Der
Wachtmeister dachte an Dinge, an die man eben so denkt, wenn es
schüttet und wenn man friert: an einen Jassabend, an seine
Amtsstube, an seinen Sohn, der als Setzer bald ausgelernt hatte.
Studer hatte ein dickes, rotes Gesicht, das jetzt ein wenig
bläulich angelaufen war, und einen vertrauenerweckenden


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