Der Chinese - Friedrich Glauser - Страница 1 из 223


stellte das Gas ab, stieg von seinem Motorrad und wunderte sich
über die plötzliche Stille, die von allen Seiten auf ihn
eindrang. Aus dem Nebel, der filzig und gelb und fett war wie
ungewaschene Wolle, tauchten Mauern auf, die roten Ziegel eines
Hausdaches leuchteten. Dann stach durch den Dunst ein Sonnenstrahl und
traf ein rundes Schild – es glühte auf wie Gold –
nein, es war kein Gold, sondern irgendein anderes, viel unedleres
Metall – zwei Augen, eine Nase, ein Mund waren auf die Platte
gezeichnet; von seinem Rande gingen steife Haarsträhnen aus.
Unter diesem Schild baumelte eine Inschrift: ›Wirtschaft zur
Sonne‹; ausgetretene Steintreppen führten zu einer
Tür, in deren Rahmen ein uraltes Mannli stand, das dem
Wachtmeister bekannt vorkam. Doch dieser Alte schien Studer nicht
kennen zu wollen, denn er wandte sich ab und verschwand im Innern des
Hauses. Ein Luftzug brachte den Nebel wieder in Wallung – Haus,
Tür und Wirtschaftsschild verschwanden. Und wieder durchbrach
die Sonne das Grau, ein Mäuerlein rechts von der Straße
tauchte auf, Glasperlen glänzten auf Kränzen, goldene
Buchstaben auf Grabmälern und Buchsblätter funkelten wie
Smaragde. Aber um ein Grab standen drei Gestalten: ihm zu
Häupten ein Landjäger in Uniform, rechts ein elegant
gekleideter Glattrasierter, der jung schien, links ein älterer
Herr, dessen ungepflegter Bart gelblichweiß war. Bis auf die
Straße war das erbitterte Gezänke dieser beiden zu


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