Der Tee der drei alten Damen - Friedrich Glauser - Страница 1 из 325


Molard leer. Eine Bogenlampe bescheint ein Tramhäuschen und
einige Bäume, deren Blätter lackiert glänzen. Auch ist
ein Polizist vorhanden, der diese Einsamkeit zu bewachen hat. Er
langweilt sich, dieser Polizist, sehnt sich nach einem Glase Wein,
denn er ist Waadtländer und der Wein für ihn der Inbegriff
der Heimat. Dieser Polizist heißt Malan, er trägt einen
kupferroten Schnurrbart und gähnt von Zeit zu Zeit.
Plötzlich steht vor dem Tramhäuschen ein junger Mensch
– weiß Gott, von wo er plötzlich aufgetaucht ist.
Dieser junge Mann – elegant gekleidet in einen grauen Anzug, nur
seine Haare sind etwas wirr – benimmt sich merkwürdig. Er
zieht zuerst den Rock aus, dann löst er den ledernen Gürtel,
taumelt ein wenig, steht dann in kurzen Unterhosen da, seine
Sockenhalter sind aus blauer Seide. Nun nestelt er an seinen
Manschettenknöpfen, der eine Knopf klirrt aufs Pflaster –
da rafft sich Polizist Malan auf, tritt näher und sagt:
»Aber mein Herr, was tun Sie da?« Der junge Mann
glotzt; die Pupillen seiner Augen sind sehr groß, so groß,
daß die Farbe der Iris gar nicht zu erkennen ist. Außerdem
sind die Züge des Gesichtes merkwürdig starr und unbewegt.
Und während Polizist Malan noch überlegt, ob der Mann
eigentlich besoffen ist, schwankt der Halbentkleidete stärker,
greift mit den Händen in die Luft, findet keinen Halt und knallt
mit dem Hinterkopf aufs Pflaster. Dann liegt er ruhig, nur die


-10     пред. Страница 1 из 325 след.     +10