Wachtmeister Studer - Friedrich Glauser - Страница 1 из 229


Gefangenenwärter mit dem dreifachen Kinn und der roten Nase
brummte etwas von »ewigem G'stürm«, – weil ihn
Studer vom Mittagessen wegholte. Aber Studer war immerhin ein
Fahnderwachtmeister von der Berner Kantonspolizei, und so konnte man
ihn nicht ohne weiteres zum Teufel jagen. Der Wärter Liechti
stand also auf, füllte sein Wasserglas mit Rotwein, leerte es auf
einen Zug, nahm einen Schlüsselbund und kam mit zum Häftling
Schlumpf, den der Wachtmeister vor knapp einer Stunde eingeliefert
hatte. Gänge… Dunkle lange Gänge… Die
Mauern waren dick. Das Schloß Thun schien für Ewigkeiten
gebaut. Überall hockte noch die Kälte des Winters. Es
war schwer, sich vorzustellen, daß draußen ein warmer
Maientag über dem See lag, daß in der Sonne Leute spazieren
gingen, unbeschwert, daß andere in Booten auf dem Wasser
schaukelten und sich die Haut braun brennen ließen. Die
Zellentüre ging auf. Studer blieb einen Augenblick auf der
Schwelle stehen. Zwei waagrechte, zwei senkrechte Eisenstangen
durchkreuzten das Fenster, das hoch oben lag. Der Dachfirst eines
Hauses war zu sehen – mit alten, schwarzen Ziegeln – und
über ihm wehte als blendend blaues Tuch der Himmel. Aber an der
unteren Eisenstange hing einer! Der Ledergürtel war fest
verknüpft und bildete einen Knoten. Dunkel hob sich ein schiefer
Körper von der weißgekalkten Wand ab. Die Füße
ruhten merkwürdig verdreht auf dem Bett. Und im Nacken des


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