Der Pfarrer von Langewiesche - Georg Groddeck - Страница 1 из 64


  Stroemfeld / Roter Stern
[1981]     Es ist noch nicht viel Zeit
verflossen, und ältere Leute entsinnen sich der Begebenheiten, da
lebte in dem Dorfe Langewiesche am Fuß des Thüringer Waldes
der Pastor Gottfried Lange. Zwei volle Jahrzehnte hatte der schlichte
Mann sein Amt mit Freuden geführt, ohne sich und andern das Leben
durch schwere Gedanken und Zweifel zu verderben, und da er ein offenes
Auge für die Schönheit der Welt hatte und gern
verkündete, was ihm Wald und Feld von der Güte Gottes
erzählten, klang seine Lehre den Herzen der Bauern angenehm. Sie
liebten in ihrer Weise den Pfarrer, der ihnen in mancher Not treu
beigestanden hatte, und wenn je einmal dieser oder jener der
»Frommen« über das freie Wesen seiner Predigt schalt,
so verhallte das tadelnde Wort unbeachtet. Auch die Obrigkeit
schätzte die gesunde Kraft dieses Mannes und seine wahrhaftige
Offenheit. Die Aufsicht über die Schulen des Kreises wurde ihm
anvertraut, und da er es verstand, die 8 mannigfachen Zwistigkeiten
zwischen den Erziehungsgrundsätzen des Staats und der Eltern
beizulegen, da er die Forderungen der Regierung gewissenhaft
erfüllte und doch auch die billigen Ansprüche seiner Lehrer,
wenn es not tat, mutig vertrat, so wuchs sein Ansehen rings im Lande
von Jahr zu Jahr, und keiner war, der nicht gern den Hut gezogen
hätte, wenn er die kräftige Gestalt des Pfarrers von fern
erblickte. So waren die Tage Gottfried Langes wohl reich an Arbeit


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