Das ewige Rätsel - Gustaf af Geijerstam - Страница 1 из 133


das zu begreifen, was ich in ein paar kurzen Jahren erlebt habe. Es
war ja so wenig, was ich verlangte, und so viel, was ich geben wollte
... Eigentlich verlangte ich bloß, geben zu dürfen ...
Und dennoch ... Müde wandre ich in meinem Zimmer auf und ab;
wenn die Lampe heruntergebrannt ist, werf' ich mich aufs Bett und
sinke in Schlummer – – aber nicht in Schlaf. Noch hat die
Zeit, die verflossen ist, mich nicht geheilt. Und doch
müßten die Jahre längst das ihrige getan haben.
Niemand weiß, daß ich so lebe. Niemand ahnt, daß
dann und wann, wenn ich's am mindesten glaube, das Alte wieder
aufbricht in mir, die alten Wunden, die sich nicht heilen lassen
wollen. Züge gehen und kommen auf dem kleinen Bahnhof. Der Winter
kommt früh hier oben im Norden, und der Schnee liegt schon hoch
über Hecken und Feld. Dunkel heben sich um mich die Berge gegen
den Nachthimmel mit seinen Sternen. Niemals hab ich sie leuchten sehen
damals, als die große Stadt mich gefangen hielt. Die Winternacht
ist nah. Bald wird die Sonne ganz verschwinden, und Monate werden
vergehen, eh ich sie wieder emporgleiten sehe über die Berge, die
mein Tal umgrenzen. Vielen Menschen begegne ich nicht hier. Und die
Züge gehen nicht so oft im Winter. Hier müßte
alles in mir sich klären. Aber auch das geht langsam. Es ist wie
ein Genesen nach einer langen Krankheit, die in mir kämpft, mich
nicht loslassen will ... Neulich fuhr ich nach der Stadt, um


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